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Donnerstag, 5. November 2026

Pillage: Brandschatzen im Frühmittelalter (Kapitel 2: Angelsachsen gegen Wikinger)

Nachdem Michi und Doc so viel Spaß beim ersten Spiel gehabt hatte, wurde alsbald der Termin für das zweite Szenario gesetzt. Diesmal sollte es eher ums Plündern gehen, als den Sieg nach Punkten durch das Hinmetzeln des Gegners zu erringen.

 

Es begab sich in Northumbria, wohin sich ein gewisser Fisk Wilson einschiffte, nachdem er in Dänemark eine neue Mannschaft zusammengetrieben hatte. Die norwegische Heimat war ihm wegen seiner Untaten weiterhin verwehrt geblieben. Die Dänen hingen gebannt an seinen Lippen, als er seine eigene Saga von der erfolgreichen Brandschatzung und Entchristianisierung des schottischen Dörfchens der MacNochnlochs, der ehrenhaften Übereinkunft mit dem Clan der MacGregors und dem heldenhaften Ende seiner berühmten Tochter Asberga sponn. Seine begeisterten Zuhörer wurden nicht müde sich wieder und wieder die Erscheinung der Berserkerin mit der nichtvorhandenen Rüstung beschreiben zu lassen.

  

Die überzeugende Darstellung der Leichtigkeit, mit der man im Westen zu Reichtum und Ruhm gelangen konnte, sowie die Tatsache, dass Fisk Wilson sowohl über ein Schiff, wie auch die Kenntnisse der gefährlichen Überfahrt verfügte, ließ kaum einen der Zuhörer zögern bei ihm anzuheuern. Die unvermögendsten und daher ungerüsteten der dänischen Abenteurer wurden mit Pfeilen und Bögen ausgestattet und an Land als Späher vorausgeschickt. 

 

Die anderen waren mit Kettenhemden, Schilden und Handwaffen, wie Schwertern und Äxten bewaffnet. Nachdem sie am Dorfrand zu den Bogenschützen aufgeschlossen hatten, sollte sich Häuptling Fisks perfider Plan entfalten. 

 

Er selbst hatte sich vor Anbruch der Morgendämmerung in das schlafende Dorf geschlichen, um den Angelsachsen eine gehörige Überraschung zu bereiten.

 

Jedoch bereitete auch das angelsächsische Wetter den Angreifern ebenfalls eine ungeahnte Überraschung als es in dicken Flocken zu schneien begann und gar nicht mehr aufhören wollte. Als der Morgen graute, war bereits alles unter geschlossenen Schneedecke verborgen, die weder Weg, noch Steg erkennen ließ und das Vorankommen im unbekannten Gelände immens erschweren würde. 

 
Alderman Godric war schon früh auf den Beinen, um den Aufbau des monatlichen großen Marktes auf dem Dorfplatz zu überwachen. Von den irgendwo in der Nähe verborgenen Wikingern konnte noch keiner etwas ahnen, aber es hatte bisher an jedem Markttag Strolche gegeben, die lange Finger machen wollten.
 
 
 
Als plötzlich ein Pfeil aus dem dichten Schneefall hervorschnellte und den ersten Wächter fällte,  zögerte der Alderman keinen Augenblick, seine Männer zu den Waffen zu rufen. Überall auf dem Dorfplatz wurden Schwerter gezückt und Bogensehnen gespannt.
 
 
 
Im nächsten Moment brach die Hölle los. Ein weiterer Wächter wurde von einem aus dem Verborgenen abgeschossenen Pfeil niedergestreckt. Vier verwegen aussehende Wikinger brachen aus ihren Verstecken hervor und fielen sofort über die Recken her.
 
 
 
Unverzüglich entbrannte ein wildes Hauen und Stechen mitten auf dem Marktplatz. Die Wikinger waren stärker bewaffnet und schwerer gerüstet, als die angelsächsischen Bogenschützen, die sich mit ihren Taschenmessern tapfer zu wehren versuchten.
 
 
 
Ein weiterer dänischer Pfeil traf einen Bienenkorb und setzte einen zornigen Bienenschwarm frei, der sich rachsüchtig auf die umstehenden Angelsachsen stürzte.
 
 
 
Hals über Kopf flohen die Bauern und auch einer der Wachleute rannte schreiend davon, um sich vor den Bienen in Sicherheit zu bringen. Alderman Godric und seine besten Männer brachten sich hinter der Windmühle vor den Bogenschützen in Sicherheit und umrundeten sie, um diesen in die Flanke fallen zu können.
 
 
 
Der Schnee fiel auf die Körper der Toten, derer achte Angelsachsen und nur einer ein Wikinger waren. Alderman Godric setzte sich in einem strategischen Rückzug ab und überließ das Dorf seinem Schicksal, das plündernd über es herein fiel. Der Tag ging in den Erzählungen der Nordmänner als "das Dorf, das nicht brannte" ein, da es ihnen unmöglich war unter der dicken Schneedecke Feuer an die Dacher der Hütten zu setzen. 
 
 
 
Die Chronisten der Angelsachsen hingegen schrieben vom Morgen, als die wilde Jagd über Dunwich hereinbrach. Das Dorf konnte sich erholen, da die Einwohner sofort geflohen und die Häuser kein Raub der Flammen geworden waren, aber der Schrecken saß tief. Es waren nicht nur die Kinder, die am Feuer bei der Beschreibung der wilden Jagd verstohlen um sich blickten, die Decken enger um die Schultern zogen und näher ans Feuer rückten. Die grimmigen Nordmänner, die mitten aus einem Schneesturm wie eine Naturgewalt über sie gekommen waren, ließen nicht wenige an den Worten ihrer Geistlichen zweifeln, die ihnen stets versicherten, dass es keine anderen Götter gebe und Asgard mit seinen grimmigen Herrschern nur ein altes Märchen war.
 
Michis Wikinger hatten einen überwältigenden Sieg errungen, der durch mehrere glücklichen Faktoren, sowie eine Kriegslist, die mit einem Fehler behaftet war, begünstigt wurde:
Der Schneefall schränkte die Fortbewegung für alle so stark ein, so dass es in der vorgesehenen Rundenzahl sowohl für die Angelsachsen in der Dorfmitte, als auch für die Wikinger am Tischrand, unmöglich war den jeweiligen Gegner zu erreichen und in einen Nahkampf zu verwickeln. 
Die Bogenschützen der Wikinger konnten jedoch uneingeschränkt bis auf den Dorfplatz schießen und die Angelsachsen dezimieren. Als die vier Wikinger, inklusive ihres Häuptlings, aus dem Versteck hervorbrachen, konnten sie sofort die gegnerischen und rüstungsmäßig unterlegenen Angelsachsen bestürmen und in Nachkämpfe verwickeln, denen die meisten unterlagen. Und genau dort lag der Fehler: Die Fähigkeit "König der Hinterhalte", die es für 50 Punkte erlaubt, ein Viertel seiner Truppe zu einem beliebigen Zeitpunkt aus einem vor dem Spiel festgelegten Versteck auftauchen zu lassen, lässt es nicht zu, das Versteck in die Aufstellungszone des Gegners zu legen. Da in diesem Szenario der Dorfplatz per Definition als Aufstellungszone für den Verteidiger galt, war diese Kriegslist der Wikinger regelwidrig. Doc und Michi hatten trotzdem großen Spaß am wahrhaft epischen Spielverlauf, der sich daraus ergab und ausgiebig Stoff für eine wirkliche Saga lieferte.

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