Geneigte Leser

Dienstag, 12. April 2016

Frostgrave: Erster Spielbericht

 
Ein Zauberer namens „Der große Maldinovic“ und sein Lehrling Grobi Bärenklaue wurden am vergangenen Dienstagabend in eine schicksalhafte Begegnung mit zwei Totenbeschwörern, nebst deren Lehrlingen und Gefolgsleuten verstrickt. Alleine zu kommen hatten sie nicht gewagt, denn es ging das Gerücht um, dass noch andere magisch veranlagte Glücksritter in der auftauenden Ruinenstadt, die unter dem Namen Frostgrave berühmt und berüchtigt geworden war, auf Beutezug unterwegs waren. Daher hatte der Zauberer in einer zwielichtigen Spelunke im heruntergekommendsten und verrufensten Viertel der Stadt ein paar schräge Vögel und halbseidene Halsabschneider mit dem nicht ernst gemeinten Versprechen an einem gehörigen Anteil der zu findenden Reichtümer angeheuert, deren Namen erstens nichts zur Sache taten und die er sich zweitens ohnehin nicht hätte merken können.


Ein gewisser Malus Mors und sein Assistent Necro Minor hatten kurz vor dem Betreten der Ruinen von Felstadt noch erfolglos versucht einen Zombie zu beschwören und trafen nun in Begleitung eines Apothekers mit dem klangvollen Namen „Der Apotheker“, sowie des Heckenritters Sir Illan und dem Armbrustschützen Oskar im unheilverheißenden Schatten der zerbröselnden Ruine eines einstmals mächtigen Zaubererturmes ein. Malus Mors strebte schon seit langem nach Unsterblichkeit, die er mittels den Ruinen zu entreißender Artefakte endgültig zu erlangen trachtete.


Der andere Necromant war indes eine Frau mit langen schwarzen Haaren, der man ihr Handwerk nicht angesehen hätte, wenn sie nicht ständig unheimliche und geisterhafte Bilder von Skeletten und Grabsteinen umweht hätten. Ihre Haut, von der sie eine Menge zeigte, war rosig und glatt und ihre spärlichen Gewänder farbenfroh in gelb und rot leuchtend. Rabella sah gewiss nicht so ungesund und düster aus wie man sich landläufig einen Totenbeschwörer vorstellte. Ihr polierter Zauberstab mit der kopfgroßen Kristallkugel glänzte ebenso golden wie der üppige edelsteinbesetzte Schmuck, den sie trug. Auch ihre ebenso frisch aussehende und gleichermaßen schwarzhaarige Auszubildende Knechthild vom Knochenturm war umgeben von Bildern umgestürzter Grabsteine und aus der Erde kriechender Toter. Ihr Zauberstab mit dem riesigen Amethyst an der Spitze war jedoch aus Knochen zusammengesetzt und ihre zwar ebenso bunten, aber noch weniger verbergenden Gewänder hingen ihr in flatternden Fetzen vom Leib, was in Kombination schon eher nach einem Totenbeschwörer aussah. Auf Unsterblichkeit waren Rabella und Knechthild nicht aus. Dafür lockte die Macht, die sie durch das in den Ruinen zu findende arkane Wissen zu erringen versuchen wollten. Als sie den anderen Necromanten und seinen kleinen Haufen niederträchtiger Untertane entdeckten blieben sie in der Nähe eines verwitternden Steinkreises zusammen mit ihren tapferen Begleiterinnen stehen. Ihr Gefolge umfasste drei Diebinnen, zwei Bogenschützinnen, einen weiblichen Ranger und zwei Hunde.


Als der große Maldinovic (serbische Sprechweise!) mit seinen namenlosen Söldnern aus dem verschneiten Tannenwald trat, breitete sich hektische Aktivität unter allen anderen Anwesenden aus. Waffen wurden klargemacht, Zaubersprüche murmelnd rezitiert, um sich deren Feinheiten ins Gedächtnis zu rufen, und Befehle gezischt. Die Hunde bellten geifernd, Pfeile wurden auf Sehnen gelegt und alle liefen los, um zu grabschen, was zu greifen war…
 
 

Quasi nebenbei erschossen die Bogenschützen des großen Maldinovic zum Auftakt den Armrustschützen Oskar, dessen nutzlos ausgegebene Heuer ein großes Loch in die Kriegskasse des Necromanten Malus Mors gerissen hatte (der sich gerade im Bildhintergrund in resignierter Verzweiflung ergeht). Die tapferen Gefolgsfrauen Rabellas teilten sich in zwei Gruppen, von denen die eine ihrer Meisterin und die andere ihrer rechten Hand Knechthild ins Getümmel folgte.
 

Rabella versetzte kurzerhand den unliebsamen Konkurrenten Malus Mors mittels eines Sprungzaubers auf die finsteren Ruinen des zerfallenden Turmes irgendeines vor tausend Jahren verblichenen Zauberers, damit er vorerst aus dem Weg war und kein Unheil anrichten konnte. Dessen alleingelassene kleine Schar sah sich verwirrt nach dem solchermaßen außer Sicht geratenen um, da ihnen nun niemand mehr Befehle zu geben vermochte.
 
Ganz eindeutige Befehle hatten Rabellas Fernkämpferinnen Grisela, Bolinda und Bonono erhalten. Ihnen war aufgetragen worden den nächsten erreichbaren Schatz zu sichern, was sie geflissentlich – und um ganz sicher zu gehen zu dritt – auch taten.

Ein Strauchdieb und Heckenritter benötigt jedoch nicht wirklich einen Befehl um sich des nächsten verfügbaren Schatzes zu bemächtigen. Deshalb scherte sich Sir Illan nicht weiter um das Schicksal seines in luftige Höhen entschwundenen Brötchengebers und griff sich die schwere Kiste, die direkt vor seiner Nase stand.

Necro Minor indes scherte sich sehr wohl um das Wohl seines Meisters, der oben auf dem Turm dem andauernden Beschuss durch Rabellas Fernkämpferinnen ausgesetzt war.
 
Nach genauem Abwägen der ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zauberte er eine massive Steinmauer auf das schmale Sims vor Malus Mors´ Füßen.

Nach nur einer Runde sah die Situation in den Ruinen Felstads wie folgt aus:
Am oberen Bildrand erkennt der geneigte Leser großzügig um eine Bronzestatue verteilt die Männer des großen Maldinovic. Ihnen gegenüber vom unteren Bildrand aus auf der rechten Tischhälfte vorrückend befinden sich die Diebinnen und Hunde der Necromantenauszubildenden Knechthild, während auf der linken Tischhälfte die drei Schützinnen Rabellas mit dem Schatz auf der einen Seite eines kleinen quadratischen Turmes und die Necromantin selbst auf dessen anderer Seite zu sehen sind.
Malus Mors befindet sich hinter der magischen Mauer oben auf der Ruine des großen runden Turms mit dem Apotheker und Sir Illan sichtbar neben dem Hügel am Fuß desselben, sowie Oskar und Necro Minor unsichtbar dahinter.


Gleich zu Anfang der nächsten Runde machten sich Grobi Bärenklaue und seine namenlosen Begleiter über drei Schätze her.

Knechthilds Diebinnen setzten alles daran die geifernden Kampfhunde Bollo und Bonzo auf sie zu hetzen, um ihnen die wahrscheinlich äußerst wertvollen Schätze schnellstmöglich wieder abzujagen.

Connor bahnte sich entschlossen einen Weg durch das unwegsame Gelände des unkrautüberwucherten Steinkreises zu einem dort verborgenen weiteren Schatz.

Knechthild schickte weiterhin vernichtende Zauber in Richtung Grobi Bärenklaue, während Rabellas Schützinnen sich aufteilten und zu zweit zum nächsten unbewachten Schatz vorrückten. Bolinda machte sich unterdessen mit der gemeinsam errungenen Schatzkiste aus dem Staub.

In diesem Moment stürzte Rabella zu Boden und blieb, von einem unsichtbaren Projektil getroffen, regungslos liegen.

Es war der sinistre Necro Minor, der hinter der Turmruine stehend aus der Deckung heraus einen winzigen Knochensplitter auf sie geschleudert hatte!

Am Ende der zweiten Runde hatten sich die Gegebenheiten in die folgende Richtung entwickelt:

Am linken Bildrand entschwindet gerade Sir Illan mit dem Schatz für seinen, auf dem Turm eingemauert geglaubten Meister, der jedoch in Wirklichkeit inzwischen wie eine Spinne an der Außenwand des Turmes hängt und im Begriff herunterzuklettern ist. Der Apotheker ist gerade dabei den Turm zu umrunden und Necro Minor steht auf dem Sockel des Turms, der anscheinend eine nahezu magische Anziehungskraft auf die Anhänger des Necromanten Malus Mors ausübt.
Die namenlosen Schergen des großen Maldinovic haben am oberen Bildrand unangefochten die drei Schätze gesichert, indem sie die Kampfhunde der außer Gefecht gesetzten Necromantin niedergemacht haben. Deren Dienstpersonal ist ebenfalls gerade dabei drei Schätze sicherzustellen. Die Diebinnen Connor im Steinkreis, Dagga im alten Kloster und die Bogenschützin Bolinda am unteren Bildrand tun das, wozu sie hergekommen sind. Die Diebein Natascha bewegt sich gerade am Kloster vorbei auf den Hügel zu. Bonono bezieht eine taktische Position an der Ecke des Klosters und die Bogenschützin Grisela ist kurz davor den Schatz an derselben Klosterecke zu erreichen.

Spektakulär ging es in die dritte Runde: Malus Mors war außen den Turm heruntergeklettert und sammelte seine finsteren Gefolgsleute um sich. Sekunden später wurde Der Necromantenlehrling Necro Minor von Bononos Pfeil niedergestreckt. Die namenlosen Bogenschützen des im Hintergrund agierenden und Schätze raffen lassenden großen Maldinovic setzten ihr unterdessen schwer zu und trugen ihr einige Verwundungen bei.

So sah das Schlachtfeld nach der dritten Runde schon ein bisschen leerer aus:

Bonono steht verwundet (schwarzer Totenkopf!) an der Klosterecke, wo Grisela gerade den Schatz sichert. Ihre Kameradinnen Connor und Dagga sind ihrerseits dabei die erbeuteten Kisten davonzuschleppen. Grobi Bärenklaue hat eine Nebelwand zwischen sich und die ihn ohne Unterlass beharkende Knechthild vom Knochenturm gezaubert. Sein Meister, der große Maldinovic, rückt gerade mit zwei namenlosen Schergen zwischen Kloster und dem hellen quadratischen Turm vor, um endlich Bonono den Garaus zu machen. Drei weitere seiner Namenlosen entschwinden schwer mit Schätzen beladen weiterhin in Richtung oberer Bildrand.

Anfang der vierten Runde: Da stand sie nun, die Diebin Natascha, eines der kleinsten Lichter im Gefolge der necro-füsilierten Necromantin Rabella – Auge in Auge mit dem Apotheker und dem turmbesessenen Necromanten Malus Mors.

Bonono schoss auf den Apotheker, ohne ihn zur Strecke zu bringen…

Die Namenlosen schossen auf Bonono, ohne sie zur Strecke zu bringen…

Und so unspektakulär ging die vierte Runde auch schon wieder zu Ende:

Die Mannen des großen Maldinovic haben drei Schätze über die Tischkannte in Sicherheit geschleppt, die Diebin Connor einen weiteren für die Necromantin Rabella und die Bogenschützin Grisela ist neben dem dunklen quadratischen Turm gerade dabei einen weiteren zu bergen, den sie von der Klosterecke geholt hat, wo immer noch die angeschossene Bonono sich tapfer behauptet.
Links am Bildrand bereitet sich die Diebin Natascha auf einen Nahkampf mit dem Apotheker vor, während unterdessen ein Namenloser des großen Maldinovic sich dem vernachlässigten Schatz an der Ecke des hellen quadratischen Turms nähert.

Die fünfte Runde begann mit einem von Knechthild auf den Apotheker geschleuderten Knochensplitter, der diesen aber verfehlte.

Stattdessen streckte der große Maldinovic den Necromanten Malus Mors auf spektakuläre Weise  mit einem Elementarbolzen nieder.

Hier sieht der geneigte Leser das Ergebnis der fünften Runde:

Am oberen Bildrand hat ein namenloser Gefolgsmann des großen Maldinovics einem Schatz Beine gemacht, während am unteren Bildrand Grisela und Dagga mit ihren Schätzen verschwinden. Natascha befindet sich in einem gnadenlosen Handgemenge mit dem Apotheker, der inzwischen sichtlich angeschlagen ist (schwarzer Totenkopf!), und Bonono ist schlussendlich doch noch dem Dauerbeschuss der Bogenschützen des großen Maldinovic erlegen.

Sechste Runde: Knechthild vom Knochenturm zauberte den Apotheker auf den Turm, den sein Herr und Meister bereits so gut kennengelernt hatte, um ihn dort oben ungehindert herunterschießen zu können. Das wollte sich jener aber nicht gefallen lassen und begann sogleich wieder den Abstieg (unter den gestrengen und kritischen Blicken des großen Maldinovic).

Der Zustand des Schlachtfelds am Ende der sechsten Runde zeigt nur noch fünf Protagonisten, wobei sich der große Maldinovic und sein Lehrling Grobi Bärenklaue mittels einer ihren Rückzug deckenden Nebelwand eher in die Rolle von Statisten begeben haben. Natascha hat derweil den vom Turm heruntergekletterten Apotheker gleich wieder in ein Handgemenge verwickelt.

Auch wenn Necro Minor und Malus Mors niedergemetzelt worden waren und Sir Illan längst mit dem Schatz entkommen war, galt es doch für Knechthild ihre Meisterin zu rächen und der Bande des feindlichen Necromanten noch so viel weiteren Schaden wie möglich zuzufügen. Dazu bot sich der Apotheker als einziges verbliebenes Mitglied geradezu auf dem Präsentierteller an.

Doch noch bevor Knechthild vom Knochenturm in einer weiteren Runde sein Schicksal würde besiegeln können, schob Natascha dem Apotheker ganz langsam den Dolch zwischen die Rippen und bat ihn grinsend zum Aderlass…

Damit endet die Geschichte vorerst. Das Tableterrorteam hat in diesem ersten Kampagnenspiel (nach zwei bereits zuvor erfolgten Standardspielen zum Regelnlernen) Frostgrave so richtig lieben gelernt.

Am Ende hatte Malus Mors 1 Schatz und der große Maldinovic, sowie Rabella jeweils vier Schätze. Die Schätze brachten großen Reichtum und eine Fülle an magischen Artefakten, Schriftrollen und Zauberbüchern, so dass im Anschluss fleißig geprasst, geheuert, ausgerüstet, gelernt und geübt wurde.

Malus Mors blieb auf Stufe 1, Rabella konnte sich auf Stufe 3 erheben und der große Maldinovic ist nun ein Zauberer der Stufe 4.

Kommentare:

Opa Wuttke hat gesagt…

Genial ! Stimmungsvoll und lustig geschrieben und schöne Bilder und Figuren...Ach ja *seufz*. Ja ich muß auch wieder nach Frostgrave. Dringend. Auf Stufe 1 zu bleiben ist allerdings kurios. Von derartig Mißgeschick vernehme ich zum ersten Mal. Bei uns haben die gelungenen Zaubersprüche und der eine Schatz immer gerade noch so für den Stufenaufstieg gereicht. Na ich bin gespannt, wie es weiter geht...

Bernd hat gesagt…

Sehr schöne Zusammenfassung der turbulenten Ereignisse. Danke, Michi. :)